Löbau: Lehrerausbildung mit Tradition

Kein Zweifel: Unsere Stadt bildet! Angefangen bei der Grundschule, über die Pestalozzischule, das Geschwister-Scholl Gymnasium, bis hin zum Beruflichen Schulungszentrum sowie zur Kreismusik- und Volkshochschule hat sie jede Menge Lehranstalten zu bieten. Sogar in puncto Ausbildung von Lehrern blickt Löbau auf eine lange Tradition zurück. Jetzt wird sie erfolgreich fortgesetzt und wir sind stolz darauf.

Löbau erhält ein Königliches Lehrerseminar

Königliches Lehrerseminar

Alles begann vor 174 Jahren. In Deutschland wurden Lehrer gebraucht, denn der wirtschaftliche Aufschwung war nicht zu übersehen. Betriebe sowie Verwaltungen suchten dringend Arbeitskräfte. Voraussetzung für deren Qualifizierung war eine schulische Grundausbildung, die insbesondere Volksschulen zu gewährleisten hatten. Das Land Sachsen sah sich veranlasst, geeignete junge Menschen für den Lehrerberuf auszubilden. In ausgewählten Orten entstanden sogenannte Königliche Lehrerseminare. Auch unsere Stadt bewarb sich und erhielt 1873 den Zuschlag für eine dieser Einrichtungen. Zunächst in der Schule am Brücknerring untergebracht, bezog das Seminar 1876 sein eigenes, neu errichtetes Gebäude am Lammgässchen. Letzteres allerdings hatte die Stadt laut staatlicher Auflage umzubenennen. Sachsenweit mussten nämlich alle Straßen, an denen solche Bildungseinrichtungen standen, künftig Seminarstraße heißen. Unsere Verwaltung kam dem gern nach und bezeichnete darüber hinaus gleich das gesamte Areal zwischen der heutigen Pestalozzi- und Poststraße als Seminarviertel.

Vom Seminar zum Institut

Ansichtskarte Gymnasium 1898

Stolze 55 Jahre hatte das Löbauer Lehrerseminar Bestand, bis das Bildungsministerium Ostern 1928 dessen Betrieb einstellte. Leer blieb das Schulgebäude an der Seminarstraße deswegen nicht. Bereits 1922 zog die Deutsche Oberschule ein, aus der später die Erweiterte Oberschule „Geschwister Scholl“ hervorging. Aber nicht nur die sollte hier ihre Heimstatt finden, auch die Lehrerausbildung nahm wieder Fahrt auf. 1955 richtete das Ministerium für Volksbildung der DDR in der Schule ein Institut für Lehrerbildung ein. Es bekam den Namen Karl Friedrich Wamder verliehen und bildete in einem vierjährigen (ab 1982 fünfjährigen) Studium Unterstufenlehrer (Klassen 1 bis 4) sowie Pionierleiter für die Polytechnischen Oberschulen heran. Zuletzt vom Oberstudienrat Dr. paed. Werner Schulz geleitet, brachte es nicht nur fähige (hauptsächlich) Lehrerinnen hervor, sondern trug auch wesentlich zur Bereicherung des kulturellen Lebens unserer Stadt bei. Vielen in guter Erinnerung geblieben sind beispielsweise der Studenten- und Singeclub sowie der Mädchenchor des IfL.

Ausbildungsort für Referendare gesucht

Mit dem Ende der DDR war das Schicksal der Institute für Lehrerbildung besiegelt. Beinahe 30 Jahre gingen ins Land, bis in Sachen Lehrerausbildung für Löbau wieder Hoffnung am Horizont erschien. Das sächsische Kultusministerium suchte im Raum Ostsachsen eine Lehrausbildungsstätte für den Vorbereitungsdienst an Grundschulen. Ihn absolvieren Referendare, die das Lehramtstudium über 8 Semester absolviert und ihr 1. Staatsexamen bestanden haben. Ebenso können sich dafür Absolventen von Hochschulen bewerben, wenn sie den Lehrerberuf als Seiteneinsteiger ergreifen möchten. Während dieser 2. Phase des Lehrerstudiums haben die Referendare pro Woche einen Tag Unterricht und an 4 Tagen arbeiten sie an der ihnen zugewiesenen Schule. Am Ende des Kurses legen sie ihr 2. Staatsexamen ab. Als geeignete Ausbildungsorte im Raum Ostsachsen kamen dafür die ehemalige Pestalozzischule in Ebersbach-Neugersdorf und das schon früher zur Lehrerausbildung genutzte Haus an der Ecke Hartmann- / August-Bebel-Straße in Löbau infrage. Letztendlich hat sich das Kultusministerium für unsere Stadt entschieden. Des einen Freud, des anderen Leid – so ist es nun mal!

Fortbildungszentrum Löbau
Hausschild Fortbildungszentrum

Die Tradition wird fortgesetzt

Seminarraum

Nach Sanierung und Einrichtung des Gebäudes konnte die Ausbildung im Jahr 2019 beginnen. „Zwar bauen wir die Lehrausbildungsstätte noch auf und schaffen laufend Unterrichtsmittel an, trotzdem ist alles gut angelaufen und wir sind mit dem gegenwärtigen Stand zufrieden“, meint die Leiterin des Hauses Grit Kahstein. Derzeit sind es 2 Kurse mit insgesamt 25 Lehamtsreferendaren, doch bereits ab März 2020 werden es 40 sein, die hier binnen 18 Monaten ihren ‚letzten Schliff‘ als Grundschullehrer erhalten. Dabei stehen Frau Kahstein momentan 2 Hauptausbildungsleiter und 15 Fachausbilder zur Seite. Diese unterrichten die Studenten in den Bereichen Schulrecht, Bildungswissenschaften und Didaktik der Schulfächer Deutsch, Mathematik, Sachunterricht sowie eines Wahlfaches. Außerdem arbeitet die Bildungsstätte eng mit den jeweiligen Ausbildungsschulen zusammen. Sie leitet die Mentoren an und steht den Referendaren während der praktischen Arbeit jederzeit beratend zur Seite. Das Team um Grit Kahstein lässt bei all dem weder Mühe noch Engagement missen, um die künftigen Pädagogen bestmöglich auf ihre zukünftige Tätigkeit vorzubereiten. Wir Löbauer werden die Kolleginnen und Kollegen der Bildungsstätte dabei nach Kräften unterstützen und ihnen zeigen: Hier seid ihr an der richtigen Stelle! Schließlich hat unsere Stadt in Sachen Lehrerbildung eine lange Tradition …