Der Altmarkt Löbau – die Visitenkarte unserer Stadt

Er ist schon etwas Besonderes – der Altmarkt Löbau. Wir Einheimischen bemerken es kaum,
doch unsere Gäste sind da aufmerksamer. Staunend bleiben sie stehen. Sie bewundern das
imposante Rathaus sowie die weitläufige, durch barocke und Bürgerhäuser geprägte
Bebauung. Dass der Platz sein Aussehen wesentlich einer Katastrophe verdankt, ahnen
dabei die Wenigsten.

Ein Artikel aus LöbauErleben Heft 1

Vom Opidum zum Altmarkt Löbau

Altmarkt Löbau Rathaus

Der Altmarkt Löbau ist nicht nur Mittelpunkt unserer Stadt, sondern ihr Ursprung schlechthin. Als ihn
zu Zeiten des Přemysliden Ottokar I. am 24. Juni anno 1221 eine Urkunde erstmals erwähnte, lag
er sicher noch offener auf dem Plateau über dem Flüsschen Löbau. Opidum Lubaw hieß der Ort,
den sich böhmische Herrscher einstmals zum Handelsplatz auserwählten. Später, wie um ihn
eine größere Stadt entstand, nannten ihn die Leute „Am Ring“. Wahrscheinlich taten sie es
deshalb, weil sie das noch einzeln stehende Rathaus frei umrunden konnten. In den
nachfolgenden Jahrzehnten zugebaut, hießt der Platz bis 1889 „Am Altmarkt“, danach nur noch
„Altmarkt“. Zu DDR-Zeiten bezeichnete man ihn als „Platz der Befreiung“ und nach 1990
bekam er seinen alten Namen zurück.

Phönix aus der Asche – der neue Markt

Altmakrt Südseite

So alt und traditionsreich der Name, so dringend war nach der Wende die Sanierung des Platzes.
Ende der 1990er Jahre fasste der Stadtrat dazu einen Beschluss. Infolgedessen wurde der
gesamte Boden aufgegraben. Neue Kanalrohre kamen unter die Erde und darüber,
denkmalgerecht und parallel verlegt, böhmisches Pflaster. Auf eine Bepflanzung und Bebauung,
bis auf den historischen Brunnen sowie zwei Kandelaber, verzichteten die Planer. Der Rundblick
auf die einzigartige Architektur sollte erhalten bleiben. Diese übrigens verdankt der Altmarkt Löbau
dem großen Stadtbrand von 1710. An der Westseite inklusive des Rathauses stehen nämlich
barocke Gebäude und im Gegensatz dazu an den anderen Seiten Bürgerhäuser. Das hängt damit
zusammen, dass reiche Kaufleute an den Brandstellen ihre neuen Häuser errichteten. Die
giebelständigen Bauten an der Süd- sowie Ostseite blieben vorerst erhalten und sind erst im
Laufe des 19. Jahrhunderts durch Traufständige ersetzt worden.

Unser Schmuckstück – das schönste Rathaus Sachsens

Rathaus

Der ultimative Blickfang am Altmarkt Löbau ist das Rathaus. In den Jahren 1711 bis 1714 hat es der
Zittauer Baumeister Prescher wiederaufgebaut. Gut wie wir finden, denn für uns ist es das
schönste Rathaus Sachsens. Die beste (Foto)Sicht auf Turm und Sonnenuhr hat man nebenbei
bemerkt vom Mondstein aus. Die Bauleute haben ihn auf der östlichen Hälfte des Marktes ins
Pflaster eingefügt. Der Stein heißt deshalb so, weil Betrachter an dieser Stelle im optimalen
Sichtwinkel zur Mondphasenkugel stehen. Diese ragt im oberen Teil des Turmes aus dem
Mauerwerk, um exakt den Stand unseres Erdtrabanten anzuzeigen. Dem sogenannten Judenbzw.
Judutekopf scheint das zu gefallen. Gelassen schaut er aus der Rathausuhr und macht alle
Viertelstunden den Mund auf und zu. Nicht nur ihm geht das so. Auch unsere Gäste bleiben auf
dem Markt immer wieder staunend stehen. Und das liegt nicht allein am Turm, sondern ebenso
am prächtig vergoldeten Stadtwappen sowie dem kurfürstlich sächsischen und königlich
polnischen Doppelwappen über der Eingangstür.

Ein goldenes Schiff zeugt vom Überseehandel

Löbau Schiff

Goldenes Schiff

Trotz des Rathauses sind auch die links neben ihm stehenden Gebäude ein Hingucker. Als erstes
fällt dabei das sogenannte Goldene Schiff ins Auge. In den Jahren 1733 bis 1735 vom Kaufmann
Lücke erbaut, zählt das barocke Haus heute zu den wertvollsten Baudenkmälern der Stadt. Stolz
zeugt die an der Fassade leuchtende Kogge von den Handelserfolgen des Hausherren in der
ganzen Welt. Über den goldenen Segeln hat er den Bibelspruch: „NON DORMIT QVI GISTO
DIT“ einmeißeln lassen. Sinngemäß übersetzt: „Der über dich wacht, schläft nie“, heißt, dass er
sich auf allen Wegen unter der Obhut Gottes wähnte. Auch über das zirka 100 Jahre später im
Haus befindliche Hotel hielt er seine schützende Hand. Der Besitzer machte am Markt gute
Geschäfte und konnte das Anwesen nach hinten ausbauen. So kam im Obergeschoss
beispielsweise ein Tanzsaal mit Galerie dazu. Nachdem die Stadt 1921 das Gebäude
übernommen hatte, nutzte sie den Raum als Stadthaussaal und später als Bücherei. Da lange
Jahre vergingen, ohne dass jemand am Haus etwas machte, zeigte es mit der Zeit beträchtliche
Schäden. Deshalb übernahm die Wohnungsverwaltung und Bau GmbH den Gebäudekomplex
und baute ihn zwischen 2014 und 2016 um und aus. Nach erfolgreichem Abschluss der Arbeiten
zogen hier erneut die Bibliothek und Teile der Stadtverwaltung ein.

Unermüdlicher Aufbauwille – Christian Schlockwerder

Nicht minder betucht als Kaufmann Lücke, der Erbauer des Goldenen Schiffes, war dessen
‚Kollege‘ Christian Schlockwerder. Er war ein fleißiger Mann, dem es geradezu in die Wiege
gelegt schien, neues zu erschaffen. Nicht nur, dass er mit 4 Ehefrauen 22 Kinder zeugte, nein,
auch gleich nach dem Brand fing er an, Zerstörtes wieder aufzubauen. Auf den Grundmauern
einer Brandruine errichtete er sein Wohn- und Geschäftsdomiziel. Entsprechend der Stilepoche
tat er das in barocker Bauweise. Von der ist am Haus allerdings nicht mehr viel zu sehen. 1872
ließ Bankier Heydemann das Haus umbauen und bei der Gelegenheit die Fassade zum Altmarkt Löbau
überformen. Seither kannten die alten Löbauer das Haus Schlockwerder in dieser Gestalt als
Bank. Erst unter dem Namen G.E. Heydemann – Bank und Kommanditgesellschaft, nach dem 2.
Weltkrieg für kurze Zeit als Sächsische Landeskreditbank. In den darauf folgenden Jahren nutzte
die Stadt Löbau das Gebäude für Verwaltungszwecke, bis es 2016 die Wohnungsgenossenschaft
Löbau eG erwarb. Ab Oktober begann sie das Haus mit Unterstützung des Bundes, des Landes
sowie der Stadt zu sanieren. Seit August 2018 ist sie damit fertig und hat jetzt ihre Büros im
Obergeschoss eingerichtet. Unten dürfen wir uns über das neue Ladenlokal des
Schreibwarengeschäftes DIGS freuen.

Das Bretschneider Haus im neuen Glanz

Löbau Haus Bretschneider

Haus Bretschneider

Auch der Spender unseres Gusseisernen Turmes hat am Altmarkt seine Spuren hinterlassen.
Obwohl Friedrich August Bretschneider als gebürtiger Delitzscher kein waschechter Löbauer
war, schlug sein Herz leidenschaftlich für die Stadt. Spontan und quasi auf den letzten Drücker,
entschloss er sich Ende 1853, uns diese Aussichtsplattform zu schenken. Was er nicht wissen
konnte: Heute existiert kein gleichartiges Objekt mehr auf der ganzen Welt. Bezahlen konnte er
den Bau des Turmes damals locker. Als Angehöriger der Braukommune und am Markt
ansässiger Bäckermeister war er ein reicher Mann. Im Jahre 1862 brannte jedoch sein Haus mit
einigen anderen an der Ostseite des Altmarktes ab. Den Wiederaufbau hat er kaum erlebt, denn
Bretschneider verstarb am 22. Juli 1863. Schade, denn er wäre stolz gewesen, was sein Sohn und
nachfolgende Generationen aus ihm machten. So haben die Maler bei der Rekonstruktion des
Gebäudes an den Wänden des Hallenflures beispielsweise diverse Texte aus den Turmtafeln
aufgetragen. Darunter sein Motto: „Je weiter der Blick, desto freier das Herz“. In den
vergangenen zwei Jahren ließ der jetzige Besitzer diese Bilder noch einmal ausbessern. Ebenso
reparierte er die Fassade und brachte zum Hof hinaus Balkone an.